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Die Evangelische Kirche von Waldensberg

 

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      Kirche vor der Zerstörung 1945                                                                              Kirche heute nach Wiederaufbau 1949

 

 

Baubericht der Waldensberger Kirche

 

Nun hat Waldensberg wieder eine neue Kirche und weithin grüßt der Kirchturm ins Spielberger Land. So jung unsere Kirche auch noch ist, so hat sie dennoch schon eine Geschichte, und einiges von dieser Geschichte will ich hier verraten.

Die alte Kirche hab ich nur zweimal gesehen. Einmal im  Sommer 1943, als ich während eines Soldatenurlaubs zum ersten Mal in Waldensberg war. Die alte Kirche mit den großen und schönen Kastanienbäumen an der Straße machte einen so friedlichen und anheimelnden Eindruck auf mich, daß ich dachte: „Hier könntest du dich wohl fühlen“. Ich bewarb mich um diese Stelle und am 1. März 1944 hielt ich die Anstellungsurkunde als Pfarrer von Waldensberg in meinen Händen. Es sollten aber noch über zwei Jahre vergehen, bis ich in Waldensberg einziehen konnte. In dem Durcheinander des Krieges, das uns bunt durch die Welt wirbelte, dachte ich gar vielmals an das stille Waldensberg, das ich vom Kriege unberührt glaubte. Um so größer war mein Entsetzen, als man mir bei meiner Rückmeldung aus Krieg und Gefangenschaft Ende Juni 1945 auf dem Landeskirchenamt mitteilten, daß Waldensberg völlig zerstört sei, einschließlich Kirche, Pfarrhaus und Schule. Mein Entschluß stand sofort fest, jetzt geht es erst recht nach Waldensberg und dort wird wieder aufgebaut. So einfach ging jedoch die Sache nicht. Ein ganzes Jahr lang versah ich die Pfarrstelle Kirchbracht, und die stillen Waldwege zwischen Kirchbracht und Lichenroth bzw. Völzberg, sowie die friedliche kirchliche Arbeit nach den Schrecken des Krieges werden mir unvergeßlich bleiben. Endlich waren die Wohnverhältnisse so weit geklärt, daß ich im Juli 1946 in Waldensberg ordiniert werden konnte. Der Anfang in Waldensberg war schlimm genug. Die Kirche lag noch so, wie sie der schreckliche 2. April 1945 gelassen hatte. Das Pfarrerbehelfsheim war in einem trostlosen Zustand. Die Fenster waren völlig undicht, die dünne Decke war eingebrochen, der Wind pfiff durch Türen und Wände und das schlimmste: das Wasser mußte über 100 Meter weit geholt werden! Mit meiner kranken Frau wohnte ich drei Monate lang im Gasthaus Riefer in Leisenwald. Der Rest des Jahres 1946 war ausgefüllt mit Instandsetzungsarbeiten am Behelfsheim; eine Wasserleitung wurde gebaut und vieles andere mehr. Aber auch der Wiederaufbau der Kirche wurde sofort in Angriff genommen. In einem Kirchenvorstandsbeschluß vom 4. August 1946 heißt es: Der Neubau der Kirche soll in drei Abschnitten erfolgen, mit dem ersten Abschnitt soll in Bälde begonnen werden. Am 22. August legte der um den Wiederaufbau des Dorfes hochverdiente Architekt Wilhelm Reuhl einen Wiederaufbauplan der Kirche mit massivem Turm vor. Da dieser Plan nicht die Zustimmung des Staatsbauamtes Gelnhausen fand, wurde noch ein Entwurf von Regierungsbaurat Dipl.-Ing. Frey, Gelnhausen, eingeholt. Dieser schuf noch im Oktober 1946 einen großzügigen Entwurf, der in nichts mehr an die alte Kirche erinnerte und eine völlige Neuplanung in Bezug auf Bauplatz und Form der Kirche darstellte. Gegen diese Neuplanung entstand innerhalb des Kirchenvorstandes eine fühlbare Opposition, die in dem Protokoll vom 9.Februar 1947 ihren Ausdruck fand. In diesem Beschluß heißt es: Der Kirchenvorstand beschließt den Wiederaufbau der Kirche an alter Stelle und auf alten Grundmauern aus Gründen der Tradition und Gründen der Kostenersparnis. Am 21. März entschied dann der Regierungspräsident in Wiesbaden: Mit Rücksicht auf die derzeitige Baustoffmangellage ist dem Wiederaufbau der alten Dorfkirche in Waldensberg unter Benutzung der bestehenden Gebäudeumfassung gegenüber dem Neubauobjekt des Herrn Regierungsbaurats Dipl. Ing. Frey den Vorzug zu geben.

Mit dieser Entscheidung war aber nun nicht die erste Phase der Planung abgeschlossen, sondern der Bau war inzwischen unmöglich geworden. Die schwierige Materialbeschaffung, die Lage auf dem Arbeitsmarkt ließen an einen Wiederaufbau nicht mehr denken. Aber gänzlich  blieb der Kirchenbau doch nicht liegen! Der neue Kirchenvorstand hatte am 10. September 1947 jedes Haus der Gemeinde aufgefordert, freiwillig drei Tage in den Klinkerwerken in Meerholz für die Kirche Ziegeln zu machen. Hier zeigte sich, wie sehr der Kirchenbau Sache der ganzen Gemeinde war. In überwältigender Mehrheit kam das Dorf der Aufforderung nach, und schon nach kurzer Zeit verfügte der Kirchenvorstand über die notwendigen Ziegel.

An dieser Stelle sagen wir Herrn Direktor Ley, Klinkerwerke Meerholz unseren Dank, der dem Dorf und auch der Kirche diese Möglichkeit der Ziegelbeschaffung gegeben hat.

Auch unser Kirchbau wurde entscheidend beeinflußt von jenem 20. Juni 1948. Der Wiederaufbau war über Nacht zu einer reinen Geldfrage geworden. Am 19. März 1948 hatte der Patron unserer Kirche, S. D. der Fürst zu Ysenburg und Büdingen, bereits sein großes Interesse am Wiederaufbau unserer Kirche zum Ausdruck gebracht, das unvermindert bis zum heutigen Tage angehalten hat. Auch der Herr Landrat Kreß hatte schon mehrfach seine Unterstützung beim Wiederaufbau in Aussicht gestellt. So fand am Montag den 6. September 1948, jene Sitzung des Kirchenvorstandes statt, der die beiden oben genannten Herren und der stellvertretende Dekan beiwohnten, in der – wenn ich so sagen darf – „die neue Kirche geboren wurde“. Am 19. September 1948 folgte dann eine zweite Sitzung, in der auch Herr Architekt Peter Nieß anwesend war. In dieser Sitzung wurden die grundlegenden Dinge besprochen, auf Grund deren der Architekt Peter Nieß die neue Kirche entworfen hat, die heute vor uns steht. Mit rastlosem Eifer und großer Treue hat er den Bau seiner heutigen Vollendung entgegengeführt. Am 26. Januar 1949 räumte die Gemeinde den Schutt aus der Kirche und hob das Fundament für den neu zu errichtende Chor aus. Am 1. März 1949 fing Maurermeister Himmler, Wittgenborn, mit den Maurerarbeiten an, schon 14 Tage vorher hatte Zimmermeister Himmler, Wittgenborn mit den Zimmerarbeiten begonnen.

Bereits vor dem vorgesehenen Termin waren die Arbeiten vollendet, und am 14. Mai feierte die ganze Gemeinde mit großer Freude das Richtfest der neuentstandenen Kirche. Seine Durchlaucht der Fürst, der Probst, der Dekan und später auch der Herr Landrat gaben uns die Ehre ihrer Anwesenheit.

Dachdeckermeister Weinberger deckte in Vorbildlicher Weise Dach und Turm. Meister Appel, Wolferborn, fertigte die Spenglerarbeiten an, Die Fenster stammen von Hermann Freund, Lichenroth. Verputzt wurde die Kirche von den Waldensberger Meistern H. Piston, H. Höhn und J.Talmon. Die Schreinerarbeiten liegen in den Händen des Waldensberger Meisters Jean Moritz. Die künstlerische Ausmalung stammt von Kirchenkunstmaler Kienzle, Alsbach/Hessen. Die Kirchenuhr lieferte die Firma Kolb, Wächtersbach. Allen Meistern und allen anderen, die uns dieses Kirchlein wiedergeschenkt haben, unseren allerherzlichsten Dank!

Das ist einiges aus der Entstehungsgeschichte unserer Kirche. Gott schenke ihr ein langes Dasein und lasse sie nur friedliche Zeiten in unserem Dorf sehen.

 

Bericht aus der Festschrift von 1949 von Pfarrer Klemm

   
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
           
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